Du bist einer der ersten Coachs in Deutschland.
Wie bist du zum Coaching gekommen?
Schon
als ich früher als IT-Berater gearbeitet habe, sind die Menschen
zu mir gekommen und haben mir von ihren Problemen erzählt. Dabei
habe ich festgestellt, dass ich mich nie überfordert fühlte,
sondern mir diese Unterhaltungen – im Gegenteil – Spaß gemacht
haben.
Ich habe quasi 'versehentlich' gecoacht und war stolz darauf
zu beobachten, wie die Leute das, was in den Gesprächen
diskutiert wurde, tatsächlich auch umsetzten. Daraufhin habe ich
angefangen als Berater Seminare zu geben und aus der Sache einen
Job definiert – den Job des 'Coachs'. Dazu muss ich sagen, dass
die Berufsbezeichnung 'Coaching' zu dieser Zeit noch gar nicht
existierte, stattdessen sprach man von 'Management-Trainer'.
Maßgeblich beeinflusst haben mich die Bücher von Timothy
Gallway und insbesondere das Beste, was je zum Thema Coaching
geschrieben wurde: „Coaching für die Praxis“ von Sir John
Whitmore.
Was verstehst du unter einem guten Coaching?
Coaching
wird oft völlig falsch verstanden und ausgeübt. Ein Coach
ist kein Psychologe oder Pädagoge, der seine Klienten in
irgendein x-beliebiges Raster packt. Im Mittelpunkt eines
guten Coachings steht der facettenreiche, freie, seine
persönlichen und/oder beruflichen Ziele aus den Augen
verlorene, orientierungslose Mensch. Und genau hier setzt
ein Coaching ein, das auf eben jedes einzelne Individuum
abgestimmt werden muss und deren Verlauf somit immer ein
anderer ist. Ein Coach ist wie ein Trainer im Sport, der
im richtigen Moment die richtigen Ratschläge erteilt, also
Hilfestellung leistet. Auf das Timing kommt es an.
Coaching = Training!
So bezieht sich Coaching auf das Erreichen persönlicher
und/oder unternehmerischer Ziele sowie auf das Lösen von
vorhandenen Problemen. Nicht selten werden Dinge ans Licht
gebracht, die bisher im Verborgenen lagen. Meist muss
dabei mit Strategien gearbeitet werden, die in dieser Art
nicht immer bekannt sind. Der Coach übernimmt hier stets
eine Mit-Verantwortung.
Wie wichtig ist es, Ziele zu haben?
Ein
Ziel ist ein Teil unserer Identität. Erkennen und
definieren wir diese, so motivieren wir uns und ggf.
das Team, das uns unterstützt. Und genau darum geht es
beim Coaching: Der Coachee lernt, wie er seine Ziele,
Visionen und Ideen richtig definieren und tatsächlich
erreichen kann.
Darüber hinaus ist es gut, seine eigenen Ziele zu
kennen, da man schnell Gefahr laufen kann, Ziele
anderer quasi zu adoptieren und dabei unsere
Integrität zu verletzen. Dies geschieht öfter, als wir
es bewusst wahrnehmen.
Wie ist der Ablauf eines typischen Coachings?
Ein typisches Coaching gibt es bei mir nicht.
Coaching kann in Form eines langen Spaziergangs
erfolgen, bei einer Tasse Tee in
Wohnzimmeratmosphäre oder aber während der ganz
normalen Arbeitszeit im Büro, das heißt im Rahmen
des ganz normalen Arbeitsprozesses. Dabei gilt, um
bei dem Bild des Trainers beim Sport zu bleiben: Der
Trainer darf das Spielfeld nicht betreten. Hierin
liegt übrigens der Unterschied zu einer Beratung:
Der Berater gibt Tipps, der Coach stellt Fragen und
vermittelt Naturgesetze
Eins deiner Lieblingsbilder im Rahmen von
Unternehmenscoaching ist „Die Treppe wird immer von
oben nach unten gekehrt“. Was genau ist damit
gemeint?
Damit meine ich, es ist ratsam im Rahmen des
Coachings bei der Firmen- oder Teamspitze zu
beginnen und erst danach bei den Mitarbeitern,
mindestens jedoch eine Ebene höher, in der
Problemzonen sichtbar sind
Wie können Defizite in solchen „Problemzonen“
langfristig beseitigt werden?
Zum Beispiel ist es nützlich, einen von mir
ausgebildeten Coach im Unternehmen zu etablieren.
Mit meiner externen Hilfe werden dauerhaft
Qualitätskontrollen und Korrekturen durchgeführt.
Das spart langfristig Berater-Kosten.
Was genau lehrst du im Rahmen eines
Workshops mit dem Schwerpunkt „Personalführung“?
Ich vermittele den Teilnehmern ein klares Bild
über das Gesamtspektrum der Aufgabe und
Verantwortung, Personal zu führen. Von
Fachbegriffen über Kernfähigkeiten bis hin zu
Führungswerkzeugen beleuchtet das Seminar das
Thema Personalführung ganzheitlich und
praxisnah. Eine wichtige Grundlage für das
professionelle Wahrnehmen dieser
Führungsverantwortung und ein umfassender
Leitfaden für Manager.
Was macht deiner Meinung nach eine gute
Führungskraft aus?
Eine gute Führungskraft ist sehr gut beraten,
sich selbst als Coach zu verstehen. An dieser
Stelle zitiere ich gerne Sir John Whitmore:
„Das Motto lautet: Coachen statt Befehlen!
Coaching ist zugleich Mittel und Kern des
Wandels der Unternehmenskultur.“
Bitte erläutere den Begriff
„Unternehmenskultur“ näher.
Ein gesundes und nachhaltig erfolgreiches
Unternehmen zeichnet sich immer auch durch
eine klare und durchgängig gelebte
Unternehmenskultur aus. Jedes Unternehmen
gelangt irgendwann an den Punkt, Werte,
grundsätzliche Maßstäbe und Regeln
beschreiben und etablieren zu müssen, da
diese sonst nicht bekannt werden oder
verloren gehen. Jede Gesellschaft kann ihre
Unternehmenskultur bauen. Wenn sie das nicht
tut, dann entsteht sie von selbst. Selten
jedoch ist die 'zufällige' Kultur förderlich
für die Ziele der Eigentümer, Mandatsträger,
der Führung und der Mitarbeiter. Ein
begleitendes Programm, das die Entwicklung
und durchgängige Etablierung einer
beständigen Unternehmenskultur klar
widerspiegelt, ist einfacher und preiswerter
als man vermuten mag.
Welchen Stellenwert nimmt das Coaching
von Unternehmen in unserer heutigen Zeit
ein?
Eine Studie, an der 280 Unternehmen
teilgenommen haben, belegt den
Zusammenhang zwischen Betriebsklima und
Betriebserfolg. Die Erkenntnisse: Die
hauptsächliche Entstehung einer
Unternehmenskultur beruht auf besser
motivierten Mitarbeitern und der damit
einhergehenden Arbeitsproduktivität.Ein
Hauptfaktor dabei ist die Vorbildwirkung
von Vorgesetzten.
Über 70 Prozent der Unternehmen möchten
an ihrer Unternehmenskultur etwas ändern,
wenn sie könnten. Mit unserem Workshop
Unternehmenskultur möchten wir dieses
abstrakte und schwer greifbare Thema
konkret und damit auch gestaltbar angehen.
Wir liefern den Unternehmen quasi einen
Baukasten mit Bedienungsanleitung und
tragen somit zur Gestaltung von
Unternehmenskultur bei.
Und bei Personen, die aus eigener
Motivation zu Ihnen kommen? Welchen
Stellenwert nimmt Coaching hier ein?
Was vor kurzem noch der Burn-out war,
ist heute der Bore-out. Bore-out kommt
von „boring“ was übersetzt gelangweilt
bedeutet. Der Mensch in unserer heutigen
(Leistungsdruck-) Gesellschaft ist
gelangweilt vom (etablierten) System.
Was damals der Psychologe war, ist heute
zum Teil der Coach.
Glaubst du, es ist möglich sich
selbst zu coachen?
Dieses Talent ist nur wenigen
vorbehalten. Generell ist es immer gut
einen externen Ratgeber oder
Sparringspartner zu haben, so wie alle
echten Profis. Es ist tatsächlich so,
dass man sich selbst nicht richtig
sehen oder wahrnehmen kann. Auch das
eigene Spiegelbild ist und bleibt eben
nur ein Spiegelbild. Zentral beim
Coaching ist die reale Wahrnehmung im
Außen.
Mit dem Projekt
„Talente-Werkstatt“ hast du dir 2010
einen lang gehegten Traum erfüllt,
Kinder und Jugendliche zu
unterrichten. Warum ist dir das
wichtig?
Ich bin der Meinung, dass fast alle
Kinder falsch erzogen und
unterrichtet, ja sogar verzogen und
hingerichtet werden. Nie gab es eine
derart große Orientierungslosigkeit
bei Jugendlichen und jungen
Erwachsenen wie in der heutigen
Zeit. Ich glaube sogar, dass es noch
schlimmer wird, wenn jetzt nicht ein
grundlegender Sinneswandel
stattfindet.
Bei dieser Arbeit konnte ich
jungen Menschen Orientierung geben
und auf ein paar Naturgesetze
hinweisen. Einige Lehrer haben
beobachtet, wie ich mit meinen
Methoden einen nicht vermuteten
positiven Einfluss auf die Kinder
ausüben konnte. Manche Kinder haben
gar den Sinn von Lernen und
Disziplin erkannt.
Welches ist dein ganz
persönliches Anliegen zu coachen?
Meine Ziele sind in erster Linie,
Menschen bei ihrer persönlichen
Entwicklung zu unterstützen und zu
fördern. Des weiteren ist es mir
wichtig, eine lebenswerte und
zugleich wertschöpfende Kultur in
Unternehmen zu etablieren sowie
Impulse zu geben, damit
wesentliche Teile der
Bildungssysteme neu gestaltet
werden. Ebenso ist es mir wichtig,
effiziente persönliche Netzwerke
zu schaffen und zu fördern.
Warum glaubst du, bist du
ein guter Coach?
In erster Linie weil ich auf
einen großen Erfahrungsschatz
zurückgreifen kann.
Ausgebildet wurde ich durch
eigene und beteiligte
Unternehmen sowie von
erfahrenen und sehr
erfolgreichen Unternehmen.
Durch eigene Niederschläge,
von denen ich mich stets
wieder erholte, habe ich viele
Erfahrungen im Umgang mit
schwierigen Situationen
sammeln können. Das alles
setze ich während des gesamten
Coaching-Prozesses um.